Wann ist das chinesische Neujahr?
Warum es mehrere Jahresanfänge gibt und welcher für dich wirklich Bedeutung hat
Jedes Jahr, meist irgendwo zwischen Ende Januar und Mitte Februar, taucht dieselbe Frage auf: Welches Datum ist denn nun korrekt?
Mal ist vom Neumond die Rede, mal vom 4. Februar, manchmal sogar von ganz anderen Daten. Und ja, auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich. In Wahrheit zeigt sich hier aber etwas sehr Typisches für das chinesische Denken: ein fein abgestimmtes System, das nicht vereinfacht, sondern differenziert.
Denn im chinesischen Kalender gibt es nicht den einen Jahresbeginn. Es gibt mehrere, und jeder davon hat seine ganz eigene Funktion.
Lìchūn. Der Wendepunkt
Der Begriff Lìchūn (立春) bedeutet übersetzt „Beginn des Frühlings“.
Er bezeichnet den ersten von insgesamt 24 sogenannten Sonnenzeitpunkten, mit denen der Jahreslauf im traditionellen chinesischen Kalender strukturiert wird. Diese Sonnenpunkte orientieren sich nicht am Mond, sondern an der tatsächlichen Bewegung der Sonne und markieren feine, aber spürbare Übergänge im Jahreszyklus.
Lìchūn fällt fast immer auf den 4. Februar (gelegentlich auf den 3. oder 5.) und markiert aus energetischer Sicht den Moment, an dem der Winter seinen Höhepunkt überschritten hat und eine neue Bewegung beginnt, noch zart, noch unscheinbar, aber unumkehrbar.
Für die Menschen im alten China, deren Leben eng mit Natur, Landwirtschaft und Jahreszeiten verwoben war, war dieser Zeitpunkt von enormer Bedeutung. Er zeigte an: Etwas Neues setzt sich in Bewegung.
Zeit zum Feiern: Das Chinesische Neujahrsfest
Das, was wir heute landläufig als chinesisches Neujahr bezeichnen, ist das große Neujahrsfest, auch Frühlingsfest genannt. Es richtet sich nach dem Mondkalender und beginnt mit dem ersten Neumond nach der Wintersonnenwende. Dadurch variiert das Datum jedes Jahr und liegt meist zwischen Ende Januar und Mitte Februar, in diesem Jahr am 17. Februar.
Dieses Neujahrsfest ist weit mehr als ein Kalenderwechsel.
Es ist ein gesellschaftlicher, familiärer und kultureller Höhepunkt, der Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Schätzungen zufolge feiern rund 1,5 bis 2 Milliarden Menschen weltweit dieses Fest oder sind ihm kulturell verbunden – nicht nur in China selbst, sondern auch in vielen Ländern Ost- und Südostasiens sowie in den Gemeinschaften der asiatischen Diaspora rund um den Globus.
Im Mittelpunkt stehen das Zusammenkommen der Familie, jahrhundertealte Rituale, Erinnerungen an die eigene Geschichte, Hoffnung auf das Kommende und das bewusste Innehalten an der Schwelle zu einem neuen Abschnitt.
Kurz gesagt: Das ist DAS Fest.
Das Chinesische Neujahr im BaZi
Im BaZi Suanming jedoch betrachten wir Zeit nicht als Abfolge von Feierlichkeiten, sondern als Abfolge von wirkenden Qualitäten.
BaZi ist ein Analyse- und Orientierungssystem. Es fragt nicht: Wo ist die Party und wann stoßen wir an?
Sondern: Wann verändert sich die Zeitqualität tatsächlich?
Und genau hier kommt Lìchūn ins Spiel.
BaZi arbeitet mit dem Sonnenkalender, weil er die jahreszeitlichen Übergänge präziser abbildet als der Mond. Mit Lìchūn beginnt aus Sicht der chinesischen Metaphysik ein neues energetisches Jahr. Ab diesem Zeitpunkt wechseln:
- das Jahrestierzeichen
- das Jahres-Element
- die thematische Grundenergie des Jahres
Deshalb gilt im BaZi ganz klar: Das neue Jahr beginnt am 1. Tag des Tiger-Monats und das ist in 2026 der 4. Februar.
Diese Praxis hat sich seit Jahrhunderten bewährt hat.
Ein Blick zurück: Als das Chinesische Neujahr noch zur Wintersonnenwende begann
Spannend ist auch der historische Blick.
In sehr frühen Zeiten galt in China tatsächlich die Wintersonnenwende als zentraler Wendepunkt des Jahres. Der kürzeste Tag, das Wiedererstarken des Lichts, war symbolisch so kraftvoll, dass er als Beginn eines neuen Zyklus verstanden wurde.
Erst im Laufe der Zeit, mit der Weiterentwicklung des lunisolaren Kalenders und der immer feineren Beobachtung der Jahreszeiten, verlagerte sich der Fokus vom reinen Wendepunkt hin zum Beginn des Frühlings, also zu Lìchūn. Spätestens in der Han-Dynastie war diese Sichtweise fest etabliert.
Man könnte sagen:
Der Jahresbeginn wanderte vom kosmischen Wendepunkt hin zur sichtbaren Bewegung des Lebens.
Warum all das kein Widerspruch ist
Wir sind es gewohnt, in eindeutigen Kategorien zu denken: richtig oder falsch, entweder oder.
Das chinesische System funktioniert anders. Es erlaubt mehrere Wahrheiten nebeneinander, solange sie einem klaren Zweck dienen.
Ein Vergleich aus unserem Alltag macht es vielleicht greifbar:
- Das Kalenderjahr beginnt am 1. Januar
- Das Schuljahr beginnt im Herbst
- Das Kirchenjahr beginnt im Advent
Niemand würde behaupten, eines davon sei falsch. Sie beantworten einfach unterschiedliche Fragen.
Genauso verhält es sich mit den chinesischen Jahresanfängen.
Welcher Jahresbeginn für dich relevant ist:
Wenn du das chinesische Neujahr als kulturelles Ereignis erleben möchtest, dann ist der Neumond der richtige Bezugspunkt.
Wenn du jedoch mit BaZi arbeitest, um dich selbst besser zu verstehen, um Zyklen einzuordnen, Entscheidungen bewusster zu treffen und dein Leben im Einklang mit der Zeitqualität zu gestalten, dann ist Lìchūn, der 4. Februar, dein eigentlicher Startpunkt.
Hier beginnt das Jahr nicht laut mit Feuerwerk und Drachentanz, sondern klar mit veränderter Energie.
Fazit: Mehr Klarheit statt Kalender-Chaos
- Das chinesische Neujahrsfest folgt dem Mondkalender
- Das BaZi-Neujahr folgt dem Sonnenkalender und beginnt mit Lìchūn
- Historisch spielte auch die Wintersonnenwende eine zentrale Rolle
Alles gehört zusammen. Man muss nur wissen, wofür man hinschaut.
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